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Schriftmerkmale

Buchstabenelemente
Die Merkmale sind Anstriche, Abstriche, Auslaufpunkte, Rundungen und Serifen sowie der Serifenansatz. Die genannten Merkmale geben dem Schriftbetrachter Hinweise auf die Zugehörigkeit zu einer Schriftgruppe. Die Formen der Merkmale ändern sich jedoch von Schriftgruppe zu Schriftgruppe, zum Teil sogar erheblich. Innerhalb einer Schriftgruppe sind die Unterschiede in der Regel nicht gravierend. Alle Anstriche, Abstriche, Auslaufpunkte usw., die zu einer Schrift gehören, haben die gleiche Form.

Merkmale
Schriften erkennt man an den folgenden Merkmalen, die alle auf dieser Seite aufgezeigt sind:
Dachansatz, Serifen, Grund- und Haarstriche, Symetrieachse, Querstrich des kleinen „e“, An- und
Abstriche, Auslaufpunkte.

Die wichtigsten Entwicklungsmerkmale für die folgenden Schriften:

Gotische Schriften
Aus der Schreibtechnik der schräggehaltenen Breitfeder entwickelte schmale Schriften, deren
Wortabstände minimiert werden. Schmale, gitterartige Wirkung mit geringem Zeilenabstand
beeinträchtigt die Lesbarkeit.

Renaissanceschriften
Die karolingische Minuskel wird als Vorbild wiederentdeckt. Als Versalien werden die Formen
der Capitalis Monumentalis verwendet. Diese Schriften sind heute in die Schriftgruppe der
„Renaissance-Antiqua“ eingeordnet.

Barockschriften
Es entsteht eine Handschrift-Antiqua, die wir heute alle als Kursivschrift oder als Schreibschrift
kennen. Diese Schriften weisen Zierschwünge auf und machten einen verspielten, leichten und
meist gut lesbaren Eindruck. Grund- und Haarstriche weisen Unterschiede auf und werden im Zuge einer schneller werdenden Schreibtechnik als Stilelement verwendet.

Klassizistische Schriften
Sie weisen einen starken bis extremen Wechsel von Grund- und Haarstrichen auf. Die Serifen
sind rechtwinklig an die Grundstriche angesetzt. Die Grundformen ergaben sich aus den römischen
Kapitalschriften. Deren Grundkonstruktionen wurden auf die Minuskeln übertragen. Die
Formen der Kleinbuchstaben entwickelten sich aus karolingischer oder italienischer Minuskel.

Weitere Merkmale einer Schrift

  • Dickte: Buchstabenbreite+1/2 geviert Vor+Nach Buchstaben
  • Duktus: Strichführung und Stärke einer Schrift, bestimmt die Gesamtanmutung einer Schrift
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Mögliche Bestandteile von Buchstaben einer Schriftart:

  • Grundstrich - Mit dem Grundstrich werden die senkrechten Linien eines Buchstaben bezeichnet. Er ist wichtig für den gesamten Aufbau und das Erscheinungsbild eines Buchstaben.

  • Haarstrich - Als Haarstrich wird die dünnste Linie eines Buchstaben bezeichnet.

  • Serife - Serifen sind die häkchenartigen Enden eines Buchstaben bei einigen Schriftarten.

  • Schattenachse - Durch die schräge Haltung eines Schreibgerätes – z.B. einer Breitfeder – verändert sich beim Schreiben die Strichstärke und es entsteht ein charakteristischer Schreibduktus. Bei Rundungen zeigt sich hierbei eine Achse zwischen den Stellen mit der geringsten Strichstärke: die Schattenachse.

  • Bauch – Rundung der Buchstaben innerhalb der Mittellänge beim d, b, p und q

  • Endstrich - Abschluss: schräg, wie beim u oder rund wie beim a.

  • Punze - Die Punze ist die teilweise oder vollständig geschlossene Fläche eines Buchstaben. Buchstaben mit vollständig geschlossenen Flächen sind beispielsweise a, d, o oder p. Teilweise geschlossene Flächen findet man beim etwa beim n oder u.

  • Überlauf - Verbindungslinie etwa im a und n.

  • Taille - Einbuchtungen, die bei Bögen anzutreffen sind.

  • Steg - Verbindende Linie, die von der Schleife bis zur Grundlinie am g verläuft.

  • Stamm - Senkrechte und zugleich stärkste Linie innerhalb eines Buchstabens.

  • Kehlung - Innerer Bogen der Serife. Auch „Serifenrundung“ genannt.

  • Tropfen - Der Auslaufpunkt, auch als Tropfen bezeichnet, ist die tropfenförmige Verdickung am Linienende eines Buchstaben

  • Ohr/Fähnchen - Häkchen am g. Auch „Ohr“ genannt.

  • Anstrich /Dachansatz - Der Dachansatz ist der obere, schräge oder horizontale, Strich, also die oberste Linie, eines Buchstaben.

  • Überhang/Overshoot - Bereich bei runden und spitzen Lettern, der über die Versalhöhe bzw. Grundlinie hinaus ragt.

  • Sporn - Kleine Ecke, die im Zusammenspiel mit Serifen eine Art von optisches Gegengewicht erzeugt. Auch im q und A anzutreffen.

  • Schweif - Bei Script-Schriften als verzierendes Element. In Antiqua-Schriften beim t, y und j zu finden.

  • Schulter - Obere Rundung etwa beim m, n, a und h.

  • Schleife - Geschlossener oder teilweise geschlossener unterer Bereich eines g. Auch „Schlinge“ genannt.

  • Schenkel - Jeweils gegenüberliegende Linien.

  • Scheitel – Wendepunkt, an dem Aufstrich und Abstrich zusammenlaufen.

 

Einteilung nach DIN16518 aus dem Jahre 1964 Dt. Institut für Normung siehe Abb. LF2_Schrift_DIN16518

Venezianische Renaissance-Antiqua
Die Gemeinen haben variierende Ober- und Unterlängen
Die Ziffern variieren in den Ober- und Unterlängen
Serifen mit Kehlungen - auch die Serifenunterkante kann gekehlt sein
Die Symmetrieachse ist sehr stark nach links geneigt
Kaum Unterschied zwischen Haar und Grundstrich
Der Dachansatz ist schräg

BSP: Weidemann, Berkley

Französische Renaissance-Antiqua

Die Serifen besitzen einen sehr flachen Übergang

Die Symmetrieachse ist nach links geneigt

Ausgeprägter Unterscheid zwischen Haar- und Grundstrich

Der Dachansatz ist schräg

 

BSP: Garamond, Palatino

 

Barock-Antiqua

Die Serifen sind leicht gekehlt

Die Symmetrieachse ist kaum nach links geneigt oder senkrecht

Starker Unterscheid zwischen Haar- und Grundstrich

Der Dachansatz ist schräg

 

BSP: Times, Baskerville

Klassizistische Antiqua

Die Serifen bestehen aus geraden feinen Linien ohne Kehlung

Die Symmetrieachse ist senkrecht

Sehr ausgeprägter Unterschied zwischen Haar- und Grundstrich

Der Dachansatz ist gerade

 

BSP: Bodoni, Didot

Serifenbetonte Linear-Antiqua
Die Serifen sind gerade Linien in der Stärke der Haar- und Grundstriche

Die Symmetrieachse ist senkrecht

Kaum Unterschied zwischen Haar- und Grundstrich

Der Dachansatz ist gerade

 

BSP: Courier, Rockwell

 

Serifenlose Linear-Antiqua
Ohne Serifen, kein Dachansatz

Senkrechte Symmetrieachse

Kaum Unterschied zwischen Haar- und Grundstrich

 

BSP: Futura, Helvetica

 

Antiqua Varianten

Zu dem Antiqua Varianten gehören alle Antiqua-Schriften, die nicht den bisher aufgeführten Gruppen zugeordnet werden können
Abweichende Strichführung

Dekorativ

Durchbrochen

Versalschriften

 

BSP: Russisch Brot, Broadway

 

Schreibschriften

Schwungvoll und man erkennt diese daran, dass die meisten der Buchstaben verbunden sind

 

BSP: Brush Script, Poetic

 

Handschriftliche Antiqua
von der Antiqua abgeleitet

Buchstaben sind nicht verbunden

 

BSP: Comic Sans, Vivaldi

 

Gebrochene Schriften
gotische Schriften

Gebrochene Rundungen und Ecken

Mit einem Spatel oder einer Breitfeder geschrieben

 

BSP: Fette Fraktura, Old English Text

 

Fremde Schriften

Alle nicht lateinischen Schriften

BSP: Chinesisch, Hebräisch

 

Aufbau Schrift siehe Abb. LF2_Liniensystem_Schriften

Die Grundlinie

Die Grundlinie wird auch als Schriftlinie bezeichnet. Sie bildet die horizontale Achse zwischen der Mittel- und der Unterlinie sowie die Standlinie der Versalien und Kleinbuchstaben.

Die Unterlänge

Als Unterlänge werden die Elemente der Minuskeln (Kleinbuchstaben) bezeichnet, die unterhalb der Unterlinie liegen. Beispiele sind die Buchstaben g, j, p und y. Die Unterlängen sollten in der Regel nicht kürzer sein als die Oberlängen.

Mittellänge

Sie wird auch als x-Höhe bezeichnet und bildet den Kernbereich der Buchstaben. Die Mittellänge entspricht der regulären Höhe der Kleinbuchstaben. Vor allem bei Büchern oder Zeitungen solltet ihr auf eine starke Mittellinie achten, denn sie entscheidet, ob eine Schrift auch bei geringer Größe noch gut lesbar ist.

Versalhöhe

Die vertikale Ausdehnung, sprich: die Höhe, der Großbuchstaben (Majuskeln) wird als Versalhöhe bezeichnet. In der Regel ragt die Oberlänge über die Versalhöhe hinaus. So erscheinen gerade und gekrümmte Buchstaben gleich hoch.

Oberlängen

Die Oberlänge beschreibt denjenigen Teil der Kleinbuchstaben, der über die Mittellänge hinausragt. Beispiele sind die Buchstaben d, f, h, l und k. Meist sind die Oberlängen etwas höher als die Versalhöhe, um die Minuskeln mit den Majuskeln auf einer Linie erscheinen zu lassen. Auch hier wird also – ähnlich wie bei der Versalhöhe – ein optischer Trick angewendet.

Schriftgrad 

Als Schriftgrad wird die Größe der Schrift bezeichnet. Er reicht von der Oberkante der Oberlänge bis zur Unterkante der Unterlänge.

Vor- und Nachbreite

Die Vorbreite bestimmt den Abstand zum vorherigen, die Nachbreite den zum nachfolgenden Buchstaben.

Dickte

Als Dickte bezeichnet man in der Typografie die gesamte Breite eines Buchstaben. Auch die Vor- und Nachbreite zählen dazu.

Laufweite

Unter Laufweite versteht man den Abstand zwischen den einzelnen Zeichen einer Schrift. Im Digitalsatz kann die Laufweite beliebig variieren. Anders sieht es im Bleisatz aus, da hier die Dickte bereits durch den metallischen Kegel festgelegt ist. Nur durch das Einfügen von „Trennfugen“, sogenannten Spatien, kann die Laufweite verändert werden. Im Fotosatz lässt sich die Laufweite wiederum problemlos anpassen.

 

Weitere wichtige Begriffe

Majuskel
Großbuchstaben, auch als „Versalie“ bezeichnet.

Minuskel
Kleinbuchstaben, auch „Gemeine“ genannt.

 

Quellen:

https://www.mediencommunity.de/content/u1-schriftmerkmale

https://www.pahl-4u.de/glossar/s/schrift.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Schriftmerkmal

http://www.designtagebuch.de/wiki/anatomie-der-buchstaben/