2.2 Netzplan

Die Netzplantechnik ist eine bewährte Methode, um die Projektabläufe und ihre Abhängigkeiten übersichtlich graphisch darzustellen. Grundlage für die Erstellung eines Netzplanes sind die Ergebnisse der Struktur- und Ablaufplanung.

Die Arbeitspakete (Vorgänge) werden in der Netzplantechnik in Form von Vorgangsknoten abgebildet. Ein Vorgangsknoten beinhaltet die folgenden Informationen:

Vorgangs-Nr. Verantworlich Dauer
Beschreibung des Vorgangs
Frühester
Anfangszeitpunkt
(FAZ)
Gesamte
Pufferzeit
Frühester
Endzeitpunkt
(FEZ)
Spätester
Anfangszeitpunkt
(SAZ)
Freie
Pufferzeit
Spätester
Endzeitpunkt
(SEZ)

Erläuterung der Begrifflichkeiten
  • Vorgangs-Nr. bzw. Arbeitspaket-Nr.: Nummer der Aufgaben gemäß Strukturplanung.
  • Verantwortlich: Name des für das Arbeitspaket verantwortlichen Mitarbeiters.
  • Dauer: Die Dauer des Arbeitspaketes, meist in Tagen
  • Beschreibung des Vorgangs: Kursbeschreibung des Arbeitspaketes.
  • Frühester Anfangszeitpunkt (FAZ): Frühestern Anfangszeitpunkt der einzelnen Aufgaben. Der FAZ aller Aufgaben, die keinen Vorgänger haben, ist der erste Tag.
  • Frühestern Endzeitpunkt (FEZ): Frühester Endzeitpunkt der einzelnen Aufgaben. Es gilt: FEZ = FAZ + Dauer (Vorwärtsterminierung). Der FAZ der Folgeaufgabe = FEZ der am letzten fertig werdenden Vorgängeraufgabe.
  • Spätester Endzeitpunkt (SEZ): Spätester Endzeitpunkt der einzelnen Aufgaben. Der SEZ der letzten Aufgabe ist identisch mit dem FEZ der letzten Aufgabe.
  • Spätester Anfangszeitpunkt (SAZ): Spätester Anfangszeitpunkt der einzelnen Aufgaben. Es gilt: SAZ = SEZ - Dauer (Rückwärtsterminierung).
  • Gesamte Pufferzeit (GP): Die gesamte Pufferzeit ist der Zeipuffer innerhalb eines Arbeitspaketes, um die sich das Arbeitspaket verzögern kann ohne das Gesamtprojekt zu gefährden.
  • Freie Pufferzeit (FP): Die freie Pufferzeit ist die Zeit, die innerhalb eines Arbeitspaketes zur Verfügung steht ohne die nachfolgenden Pakete zu gefährden.

 

Erstellung eines Netzplans

Mit Hilfe der Vorgangsliste aus der Ablaufplanung können die einzelnen Vorgangsknoten ausgefüllt werden.

Zur Darstellung der zeitlichen Abhängigkeiten einzelner Vorgangsknoten voneinander werden die Vorgangsknoten durch Pfeile miteinander verbunden. Dabei zeigt sich, dass einige Arbeitspakete parallel bearbeitet werden können. Andere Arbeitspakete können erst dann begonnen werden, wenn ihre Vorgänger bereits abgeschlossen sind, d.h. die Fertigstellung eines Arbeitspakets ist die Voraussetzung für den Beginn des nachfolgenden Arbeitspakets.

Im folgenden Beispiel laufen Text- und Bilderfassung parallel. Beide müssen zunächst abgeschlossen sein, um mit dem Arbeitspaket Text-Bild-Integration zu starten. 

Abbildung: Vereinfachte Darstellung eines Netzplans

Mit Hilfe der geschätzen Dauer der einzelnen Arbeitspakete werden jeweils der früheste Anfangszeitpunkt (FAZ) und der späteste Anfangszeitpunkt (SAZ) eines Vorgangsknotens errechnet und eingetragen, entsprechend auch der früheste Endzeitpunkt (FEZ) und der späteste Endzeitpunkt (SEZ). Durch diese Darstellungsweise wird in der Netzplantechnik ermittelt, welche Puffer bzw. Zeitreserven während des Projektablaufs existieren und welche Vorgänge (Arbeitspakete) als besonders kritisch gelten. Die Kette der Vorgänge, die keine Puffer aufweisen, wird als Kritischer Pfad bezeichnet. Im oberen Beispiel ist dies die Kette AP1-AP2-AP4-AP5-AP6-AP7. Arbeitspaket 3 hat einen Puffer von 5 Tagen, da das parallel laufende Arbeitspaket länger dauert und die Ergebnisse beider für die weitere Arbeit benötigt werden.

Während der Projektplanung werden Sie immer wieder feststellen, dass es, z.B. durch begrenzte Personalressourcen oder verbindliche Termine, Arbeitspakete gibt, die keine zeitlichen Reserven aufweisen. Diesen Arbeitspaketen muss in der Projektdurchführung besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, da ihre Verzögerung automatisch einen pünktlichen Projektabschluss gefährdet.

Ein Netzplan ist insbesondere für größere Projekte mit vielen Arbeitspaketen gut geeignet und wird heute rechnergestützt erstellt.