Metalliceffektfarbe/Lack

1. Definition: 

Unter einer Metalliceffektfarbe/Lack versteht man eine Druckfarbe/Lack mit eingefärbten Metallpigmenten, z.B. aus Aluminium oder Kupferlegierung. Die eingefärbten Metallpigmente wirken dabei als kleine Spiegelchen, die so entstehende Reflexion ist für den metallischen Glanz verantwortlich. Man unterscheidet dabei Metallic-Lacke und Metallic-Farben.

Hochdruck
Tiefdruck
Offsetdruck
Siebdruck

Die Veredelung mit einer Metalliceffektfarbe kann in jedem Druckverfahren geschehen: Flexodruck, Tiefdruck, Siebdruck und Offsetdruck. Dies kann partiell sowie vollflächig geschehen. Metallic-Farben für den Offsetdruck erreichen aufgrund der geringen Schichtdicken sowie dem Feuchtmittel bei weitem nicht den hohen Grad an Glanzeffekten wie eine andere Metalliceffektfarben, z.B. für den Siebdruck.

3. Voraussetzungen: 

Grundsätzlich entsteht der Effekt der Metalliclacke durch die Metalleffektpigmente. Der Lackfilm oder die Farbe enthält Pigmente, die in der Schicht parallel zur Substrat und Farb- oder Lackoberfläche angerichtet sind und in etwa 20 µm lang und bis zu einem µm dick sind. Die Effektpigmente reflektieren das einfallende Licht an der Oberfläche und streuen dieses an den Kanten. Je flacher der Blickwinkel auf das bedruckte Substrat ist, umso dunkler erscheint der Lack, da der Effekt der Streuung des Lichts der Metallpigmenten überwiegt. Umgekehrt erscheint der Lack heller und glänzender wenn der Blickwinkel steiler ist, da die Oberflächenreflexion der Metallpigmente überwiegt.

 Abb.1: Schematische Darstellung der Lichtreflexion (Quelle: Wikipedia)

Zu beachten ist dabei noch die Größe des Pigments. Je gröber das Pigment, desto höher ist der metallische Effekt der Farbe. Je feiner das Metallpigment ist, desto höher ist das Deckvermögen, aber gleichzeitig verringern sich auch die Brillanz und die Helligkeit im Druckergebnis. Das Verhältnis zwischen Streuanteil und Pigmentoberfläche nimmt deutlich ab wodurch metallischer Glanz verloren geht. Die Größe des Pigments ist abhängig vom Druckverfahren. Beim Siebdruck ist es möglich gröbere Pigmente zu verdrucken als beim Offsetdruck.

Es gibt verschiedene Arten von Metalliceffekten:

  • Einen einfachen Metalliceffekt wie Gold, Silber oder Bronze,
  • Metalliceffekte, die eine eigene Farbe besitzen z.B. ein Lila,
  • einen Perlglanzeffekt und einen Metallic-Flip-Flop-Effekt welcher je nach Winkel des einfallenden Lichtes anders erscheint.

Man unterscheidet dabei 1-Komponenten Metalliceffektfarben und 2-Komponentenfarben. Eine 1-Komponentenfarbe ist dabei bereits fertig gemischt, eine 2-Komponentenfarbe muss aus Pigment,  entweder in Pulverform oder als Paste, zu einem Firnis beigemischt werden.

Der einfache Metalliceffekt wird durch das beimischen von Metalleffektpigmenten erreicht. Ein Bronzeeffekt wird durch Kupfer, Silber durch Aluminium und ein Goldton durch eine Zink/Kupferlegierung mit Bronze. Je nach Kostenaufwand kann man auch echtes Silber und Gold für den jeweiligen Effekt hernehmen. Dies erhöht natürlich den Glanzeffekt und die Echtheit dessen.

Der Perlglanzeffekt wird erreicht durch blättchenförmige transparente Pigmente, die vorher mit Metallen Bedampft wurden. Das Licht wird am unteren Teil des Pigments reflektiert wobei der Eindruck entsteht das der Glanz aus der Tiefe kommt.

Abb. 2: REM-Aufnahme Metalleffektpigment
Abb. 3: Schematische Darstellung Perlglanzeffektpigmente

Bei einer Druckfarbe mit Flip-Flop-Effekt ändert sich je nach Betrachtungswinkel des Substrates die Farbe. Dies entsteht durch sogenannte Interferenzpigmente welche einen bestimmten Lichtanteil absorbieren und nur einen bestimmten Teil des Lichtes aufgrund der Beschichtung zurückwerfen. Zu beachten ist das ab einer gewissen Schichtdicke Interferenzen entstehen können.

 


Abb. 4: Beispiel eines Druckproduktes mit Flip-Flop-Effekt

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Leafing- und Non-Leafing-Pigmenten.

Bei Leafing-Pigmenten verteilen sich die Metallpigmente im Lackfilm an der Oberfläche und werden vom Bindemittel nicht benetzt und schwimmen auf dem Nassfilm auf. Dadurch entsteht ein äußerst realistischer metallischer Effekt der aber eine geringere Beständigkeit gegen mechanische Einwirkungen besitzt wie z.B. wischen oder kratzen.

Bei Non-Leafing-Pigmenten verteilen sich die Metallpigmente gleichmäßig in der gesamten Lacksicht und werden vom Bindemittel benetzt. Sie sind im gesamten Lackfilm enthalten und besitzen einen sehr hohe Brillanz (Sparkling-Effekt). Dadurch besitzt der Lack eine hohe Beständigkeit gegen mechanische und chemische Einflüsse.
 

4. Produktionsablauf: 

Der Metalliceffektlack wird abhängig vom Druckverfahren unterschiedlich aufgebracht. Er wird meistens als letzte Schicht auf das getrocknete Substrat gegeben. Einzige Besonderheit bildet hierbei der Offsetdruck. Da die Metalliceffektfarbe beim Offsetdruck aufgrund der geringen Schichtdicke und der feineren Pigmente einen geringeren metallischen Effekt und hohe mechanische Empfindlichkeit besitzt, wird häufig eine Lackschicht zum Schutz aufgetragen. Somit vermeidet man den sogenannten Glanzstrich, was als "Kratzer" wahrgenommen wird. Auch muss unterschieden werden ob es sich um eine 4-Farbenmaschine oder 5-Farbenmaschine handelt. Bei einer 5-Farben Offsetdruckmaschine ist es möglich die Metalliceffektfarbe oder den Metalliceffektlack über das fünfte Druckwerk aufzutragen. Bei einer 4-Farbenmaschine ist ein zweiter Durchgang für das Veredeln notwendig. Dafür muss die Maschine zuvor wieder gereinigt werden. Auch ist zu beachten, dass eine Veredelung mit Metallicfarben nach Möglichkeit nur auf einem trockenen Druckprodukt geschieht, da ein Verlaufen mit der Druckfarbe auf diese Weise vermieden werden kann.

Aufwendiger wird der Produktionsprozess durch das Auftragen eines Schutzlackes, welches mindestens eine 6-Farbenmaschine notwendig macht. Durch das Auftragen eines Drucklackes zum Schutz geht ein Großteil der Metallwirkung verloren. Der Lack bildet in diesem Fall eine glatte Fläche und dadurch wird die ungerichtete Lichtreflexion ebenso flächig, d.h. in eine bestimmte Richtung ausgerichtet. Dadurch erscheint das Druckbild oftmals wie eine lackierte Druckfarbe und erscheint matter. Silber wirkt wie Grau und Gold nimmt einen Beigeton an.

Oftmals wird das Druckprodukt im Offsetverfahren gedruckt und nach dem Trocknen zur weiteren Veredelung mit einer Metalleffektfarbe mit Hilfe eines anderen Verfahrens veredelt. Schwierigkeiten entstehen dabei nur wenn das Produkt zusätzlich lackiert werden soll, da dies einen weiteren Produktionsschritt bedeutet und der Glanzeffekt weniger intensiv wirkt. Für die Weiterverarbeitung eigenen sich der Flexo-, Tief-, und Siebdruck da bei diesen Druckverfahren eine höhere Schichtdicke erzielt werden kann. Dies führt zu einem höheren Echtheitsgrad und intensiveren Glanzeffekt. Auch ist bei diesen Verfahren aufgrund der größeren Pigmente eine höhere Beständigkeit gegen mechanische Einflüsse gewährleistet.
 

5. Materialien/ Bedruckstoffe: 

Als Bedruckstoff ist Papier am besten geeignet, es lassen sich aber auch Glas, Metall, Kunststoff und Holz bedrucken. Es ist zu empfehlen farblose und nicht zuvor veredelte Substrate zu verwenden, um den gewünschten Metalliceffekt nicht zu verfälschen. Die Oberflächenbeschaffenheit der Substrate spielt für den Metalliceffekt eine tragende Rolle. Am besten eigenen sich glatte, gestrichene Papiere, um den Glanz der Metalliclacke wiederzugeben. Drucke auf ungestrichenen Substraten erscheinen oft fleckig.

Desweiteren sollte man die Saugfähigkeit der Substrate achten. Falls diese zu hoch ist, schlagen die Bindemittel zu stark weg und die Metallpigmente büßen an Haftung auf der Substratoberfläche ein. Auch der pH-Wert des Substrates spielt eine Rolle. Am besten liegt der im neutralen Bereich, da es sonst zu einer Korrosion der Pigmente kommen kann.

Glatte, durchsichtige Flächen sind optimalerweise im Konterdruck zu bedrucken da der Druck, welcher sich dann auf der Rückseite befindet, besser gegen mechanische Einflüsse geschützt ist. Einzige Ausnahme hierbei bilden PET Produkte wie z.B. Getränkeflaschen (oder sonstige Nahrungsmittelverpackungen) da sich die Druckfarbe ansonsten mit dem Füllstoff vermischen würde was zu Verunreinigungen führen kann.
 

6. Vor- und Nachteile: 

6.1 Vorteile

  • einfache Verarbeitung im letzten Farbwerk der Offsetmaschine ermöglicht eine kostengünstige Produktion
  • Verarbeitung ist mit allen Druckverfahren möglich
  • Durch die enthaltenen Metallplättchen ist die Farbe lang anhaltend und bleicht nicht aus
  • Metalliclacke werten Druckprodukte auf und lassen sie viel wertiger erscheinen

6.2 Nachteile

  • Trotz der vielen Möglichkeiten der Metalleffektveredelung ist nicht bei jedem Verfahren ein optimaler Effekt zu erzielen
  • Es ist ein Schutzlack notwendig, damit die Metallpigmente nicht zerstört werden
  • Bei zu langer Langerung können die Metallpigmente oxidieren und sich verschwärzlichen
  • Geringere Qualität als bei Heiß- oder Kaltfolienprägung
7. Anwendungsbeispiele: 

Metalliclacke sind sehr gefragt, wenn man ein Druckprodukt besonders edel und hochwertig aussehen lassen möchte, wie typischerweise bei hochwertigen Prospekten und Verpackungen.

8. Erkennungsmerkmale: 

Typischer metallischer Glanz auf den Druckprodukten. Je flacher der Blickwinkel umso dunkler erscheint der Lack. Je steiler der Blickwinkel umso heller und glänzender erscheint der Lack.

Die deutlichste Abgrenzung zur Heiß- oder Kaltfolienprägung entsteht durch das Beigefügen von Metallglimmer, welcher unregelmäßig im Lack verteilt ist. Dies führt zu variierenden Reflektionswinkeln und liefert somit hohe Brillanz und optische Tiefe. Metallicfarben werden daher „lebende“ Farben genannt.
 

9. Weiterverarbeitung: 

Heißkalandrierung oder Folienkaschierung eignen sich für eine Weiterverarbeitung nur bedingt auf Metalliclacken. Sollte es trotzdem gewünscht sein, sollte man zuvor einen Probedurchlauf durchführen.
Das Problem liegt darin, dass zwischen Lackfilm und Metall keine ausreichende Verbindung zu stande
kommt, und sich somit der Lack ablösen kann. Getrocknet werden Metalliclacke per Infrarot Trocknung.

11. Lieferanten: 

11.1 Maschinenhersteller

11.2 Rohstoffhersteller

12. Quellen: 

12.1 Literatur

  • Helmut Teschner: Druck- und Medientechnik - Informationen gestalten, produzieren, verarbeiten - 12. Auflage, Fachschriften-Verlag GmbH & Co. KG, 2005
  • Joachim Böhringer/Peter Bühler/Patrick Schlaich: Kompendium der Mediengestaltung für Digital- und Printmedien - 3. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Springer Verlag, 2005
  • Marabu GmbH & Co. KG, Marabu 2

12.2 Internet